Wann kommt der Sieg Allahs? | Sh. Haifaa Younis

Moderator: Herzlich willkommen, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, zu dieser fortlaufenden Berichterstattung über den israelischen Krieg gegen den Gazastreifen, der nun schon den 24. Tag andauert und in dessen Verlauf erneut israelische Bomben auf verschiedene Gebiete des Gazastreifens abgeschossen wurden. Die israelischen Besatzungsflugzeuge haben in mehreren Gebieten des belagerten Streifens Dutzende von Märtyrern getötet. Die Zahl der Märtyrer übersteigt 8.000, zusätzlich zu den mehr als 20.000 Opfern – nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza – angesichts der brutalen israelischen Maschinen. Maschinen, die Menschlichkeit und Struktur eliminiert haben und den Gazastreifen in ein Massengrab verwandelt haben, das jeglicher Lebensgrundlage beraubt ist, kein Wasser, keinen Strom und keine Sicherheit hat. Jeder wird von den israelischen Besatzungsflugzeugen angegriffen. Moscheen, Kirchen und Krankenhäuser wurden unter falschem Vorwand bombardiert, und die Besatzung war nicht in der Lage, ihre Wahrheit zu beweisen. Als ob es das Ziel wäre, den Gazastreifen und seine Bewohner loszuwerden. Angesichts der Szenen des Tötens, Verhungerns und der Zerstörung drängen sich einige Fragen auf, die sich auf einige der ideologischen Konzepte der Muslime beziehen. Zum Beispiel: Wie konnte Allah, der Allerbarmer und der Barmherzige, die Tötung all dieser Kinder zulassen? Wie konnte Allahs Versprechen des Sieges für die Gläubigen erfüllt werden, und warum versammeln sich alle Mächte der Welt gegen Gaza, das seit Jahren belagert wird? Haben diese Ereignisse irgendwelche göttlichen Auswirkungen? All diese Fragen und mehr werden wir Dr. Haifaa Younis stellen, eine islamische Predigerin und Präsidentin des Jannah Instituts in den Vereinigten Staaten von Amerika. Herzlich willkommen, Dr. Haifaa! As-Salāmuʿalaikum wa rahmatullāhi wa barakātuhu! Möge Allah euch reichlich belohnen!

Scheicha Haifaa Younis: Wa ‘alaikum as-Salām wa raḥmatullāhi wa barakātuhu!

Moderator: Dr. Haifaa, wir können die göttliche Lesart der göttlichen Gesetze in Bezug auf das, was jetzt in Gaza geschieht, nicht übertreffen. Wenn wir bei diesen göttlichen Gesetzen zu den aktuellen Ereignissen stehen bleiben dürfen.

Younis: Möge Allah euch der Einladung wegen mit dem Besten belohnen! Bismilāh! Allah sei Dank und Frieden und Segen seien für den Gesandten Allahs.

Moderator: ﷺ.

Younis: Zunächst möchte ich ein Wort an die Menschen in Gaza richten. Inschallah werden sie mich hören, möge Allah sie segnen und stärken. Möge Allah ihnen den Sieg von sich aus gewähren. Unsere Herzen und Gebete sind mit ihnen, und Allah wird unsere Gebete erhören, inschallah. Möge Allah dich für diese Frage belohnen. Diese Frage wurde seit Beginn der Ereignisse häufig gestellt, bis heute hören wir diese Frage. Wo ist Allah? Wo ist Allahs Barmherzigkeit? Warum geschieht dies? Ich beginne und sage zu mir selbst, bevor ich zu den Zuschauern spreche: Wir, Allah sei Dank, sind Muslime und wir haben eine Glaubens-überzeugung (ʿaqīda), die sich nicht ändert. Unsere Überzeugung ist, dass Allah der Herr ist, der angebetet wird, und Er besitzt Namen und Eigenschaften. Zu den Namen Allahs G gehören der Allerbarmer, der Barmherzige, der Allweise, der Allwissende und andere Namen, die wir kennen. Diese Namen ändern sich nicht. Diese Namen und Eigenschaften ändern sich nicht. Allahs Weisheit ist ewig, Allahs Wissen hat kein Ende, Allahs Barmherzigkeit hört nicht auf. Die Barmherzigkeit Allahs – Er ist ja der Barmherzigste im Dies- und im Jenseits – ist nicht so, wie wir uns das (oft) immer vorstellen, und ich sage diese Worte immer vor allen anderen zu mir selbst. Als die Muslime die Schlacht von Uhud verloren haben und Ḥamza, der Onkel des Gesandten ﷺ, einer der Menschen, die er am meisten liebte, getötet wurde – nicht?

Er ﷺ ist der beliebteste bei Allah und bei der Schöpfung und Allah ist doch der Allerbarmer und Barmherzige! Wir können die Weisheit (sehr oft) dahinter nicht sehen, aber wir alle kennen den Vers. Es sind eigentlich zwei Verse mit der gleichen Bedeutung im edlen Koran:

„Vielleicht ist euch etwas zuwider, während es gut für euch ist, und vielleicht ist euch etwas lieb, während es schlecht für euch ist.“ (2:216)

Und in Sure al-Nisāʾ (Nr. 4) heißt es und dieser Vers ist tiefgründiger:

„…Es kann es sein, dass ihr einer Sache gegenüber Abneigung empfindet, in die Allah jedoch viel Gutes für euch gelegt hat.“ (4:19)

Wir sahen es in Uhud und in Badr. Wir sahen den Sieg in Badr, doch dann folgte Uhud. Die Schlacht, die am ehesten auf unsere Situation zutrifft, ist die Grabenschlacht, die Allah in der Sure al-Aḥzāb (Nr. 33) erwähnt. Warum hat Allah dem Gesandten ﷺ nicht den Sieg geschenkt, wie wir im Englischen sagen „immediately“, sprich sofort? Warum wurden sie belagert, bis sie mit einem heftigen Schütteln erschüttert wurden? Allah ist allweise. Das ist also unser Ausgangspunkt als Muslime, und das ändert sich für uns nicht, ganz gleich, was in dem, was wir sehen, geschieht. „O Allah, du bist der Allweise und der Allerbarmer, o der Allerbarmer des Dies- und Jenseits, erbarme dich ihrer mit deiner Barmherzigkeit.“ Der Mensch wurde aber schwach erschaffen, und unsere Sicht der Dinge gilt nicht für Allah, gepriesen sei Er, und sie ist auch nicht mit Allahs Sicht vergleichbar. Das ändert sich für uns nicht. Diese Überzeugung bleibt bei uns ungeachtet dessen, was wir sehen, ändert sich nichts. Das ist der erste Punkt.

Moderator: Frau Doktor, in diesem Zusammenhang, da das, was in Gaza passiert, auf der ganzen Welt verfolgt wird und von Kindern verfolgt wird, wie antworten wir ihnen auf diese Frage? Wenn wir sie die schönen Namen Allahs lehren, lehren wir sie die Namen „der Allerbarmer“ und „der Barmherzige“ und wir sprechen über die Barmherzigkeit – „…Meine Barmherzigkeit umfasst alles…“ (7:156) – und dass Allah die Barmherzigkeit zu einem der Wege gemacht hat, durch die wir Sein Wohlgefallen erlangen können. All dieses Töten geschieht, und die Bilder, die aus dem Gazastreifen kommen, sind erschreckende Bilder von Kindern, die nichts falsch gemacht haben und brutal in einer Bombennacht getötet werden, während sie schlafen, und die Menschen wachen durch diese Nachrichten auf. Die Kinder stellen uns diese Fragen, und wie sollen wir ihnen antworten?

Younis: Natürlich wird diese Frage nicht nur von Kindern gestellt, sondern von allen Menschen. Wenn mir diese Frage gestellt wird, und ich bin ein Mensch wie alle Menschen, und wir sehen, was passiert – es ist eine Frage, die von jedem gesagt und gestellt werden muss, und jeder Mensch fragt sich: Was will Allah von mir? Warum hat Allah zugelassen, dass diese Dinge geschehen und dass ich sie sehe und dass sie weitergehen? Was will Er von mir? Was ist meine Rolle? Und das ist das Wichtigste. Wenn ich mit Kindern spreche, ist es natürlich anders, als wenn ich mit mir selbst spreche, und anders, als wenn ich mit Erwachsenen spreche. Wenn ich zu Kindern spreche, sage ich dasselbe: Allahs Barmherzigkeit ändert sich nicht, und wir bringen Beispiele aus der Tierwelt. Nicht alles, was wir in unseren Augen als böse ansehen, ist tatsächlich böse. Der Gesandte ﷺ sagte in seinem Bittgebet:

…وَالْخَيْرُ كُلُّهُ فِي يَدَيْكَ وَالشَّرُّ لَيْسَ إِلَيْكَ…

„…O Allah, alles Gute liegt in Deinen Händen, aber das Übel wird dir nicht zugeschrieben…“[1]

Nicht alles in diesem Leben verstehen wir. Wir sagen den Kindern: Jetzt ist nicht die Zeit zu verstehen, warum, sondern jetzt ist die Zeit zu fragen, was zu tun ist. Sogar das kleine Kind, wenn es uns versteht, fragen wir es: „Was will Allah von dir?“ Er möchte, dass du zu Ihm zurückkehrst. Es kann dein Bittgebet sein, es kann deine Wohltätigkeit oder eine stärkere Beziehung zu Allah sein. Allah lindert das Unglück sogar durch sieben- oder zehnjährige Kinder. Vor kurzem hat mich ein zehnjähriges Kind, subḥanallāh, gefragt, was es tun soll. Seine Frage lautete: „Morgen ist Samstag, und am Samstag habe ich zwei Stunden Zeit, um etwas im Fernsehen zu sehen. Wird Allah mich dafür zur Rechenschaft ziehen?“ Diese Frage wurde von einem zehnjährigen Jungen gestellt! Also fragte ich ihn: „Was schaust du denn?“ Er sagte: „Zeichentrickfilme.“ Ich fragte ihn: „Hilft das Ansehen von Zeichentrickfilmen den Kindern in Gaza?“ Er antwortete: „Nein.“ Da fragte ich ihn: „Was hilft den Kindern in Gaza?“ Er sagte: „Meine Gebete.“ Das ist es, was wir jetzt von den Kindern brauchen, nämlich dass sie zu Allah zurückkehren – jeder, ob jung oder alt. Die Nahen sollten näherkommen und die Fernen sollten näherkommen. Wir haben niemanden außer Allah, denn Er ist Eerjenige, der dies zugelassen hat, und nichts geschieht auf dieser Erde und in diesem Universum außer mit Allahs Erlaubnis. Alles liegt in Seinen Händen, und Er hat die Macht über alle Dinge. Er sagt: „Sei“, und es ist so, und die Dinge verändern sich. Ich gehe aber zurück und erinnere euch daran, dass die Schlacht von al-Aḥzāb einen ganzen Monat lang dauerte – Verrat in Medina, die Völker griffen sie an, während sie sich im Graben befanden. Am Ende siegten jedoch nicht aufgrund eines Kampes, sondern durch Terror und Wind. Allah ist zu allem fähig. Wann ist der Sieg Allahs? Das ist die andere Frage. Sie werden diese Frage bestimmt stellen.

Moderator: (Lacht) Das stimmt, Dr. Haifaa, das ist die Frage, die sich die Menschen angesichts der Geschehnisse stellen. Was wir von den Menschen in Gaza sehen, von den Bildern, die wir von ihnen bekommen, ist, dass sie diejenigen sind, die den Koran auswendig beherrschen und das Fajr-Gebet beten. Wir sehen, dass īmān[2] und der Islam nach dem Urteil Allahs in ihnen verwirklicht sind. Und nun stehen sie nicht nur Israel allein gegenüber, sondern Israel und die westliche Welt dahinter. Wir fragen uns, wo ist das Versprechen Allahs des Allmächtigen, Der versprochen hat, den Gläubigen zu helfen?

Younis: Wir kommen auch hier auf die Biografie des Propheten Muḥammad ﷺ und von dort kommen mein īmān und meine Standhaftigkeit. Die Menschen in Gaza haben uns gelehrt, Allah zu vertrauen, geduldig zu sein und nicht zu verzweifeln. Du fragst dich, subḥanallāh, was in Sure al-Aḥzāb geschieht. Die großen Prophetengefährten (Ṣaḥāba) waren mit dem besten Geschöpf (Prophet Muḥammad ﷺ)! Warum kam der Sieg Allahs nicht am ersten oder zweiten oder dritten Tag? Dies ist notwendig. Wo immer diese Dinge geschehen, ist es Teil meiner oder unserer Prüfung als Muslime, dass wir uns der Weisheit und der Vorbestimmung Allahs (qadar) hingeben. Wann ist nun der Allahs Sieg? Wir lesen im Koran:

„Oder meint ihr etwa, dass ihr das Paradies betreten werdet, noch bevor Gleiches über euch gekommen ist, wie über diejenigen, die vor euch dahingegangen sind? Not und Leid widerfuhr ihnen, und sie wurden erschüttert…“ (2:214)

Es gab keinen Erdbeben, aber sie waren so vor Angst erschüttert, „bis dass der Gesandte und diejenigen, die mit ihm glaubten, sagten: ‚Wann kommt Allahs Sieg?‘…“ (2:214)

Sie stellten die gleiche Frage, die wir uns stellen! Das ist der Vers aus Sure al-Baqara (Nr. 2).

„…Ja! Gewiss, Allah Sieg ist nahe!“ (2:214)

Das ist das Wort meines und deines Schöpfers. Es ändert sich nicht. Diese Nähe richtet sich jedoch weder nach deiner noch nach meiner Berechnung. Warum?

„…Wahrlich, ein Tag bei deinem Herrn ist gleich 1.000 Jahre nach eurer Zeitrechnung.“ (22:47)

Wird der Sieg jetzt in unserem Leben eintreten? Allah weiß es am besten. Es kann noch 50 Jahre dauern, vielleicht 100, Allah weiß es am besten. Eine Sache, die sich aber für mich nicht ändert und die sich für jeden Muslim, der mir zuhört, nicht ändern sollte, ist das Ende des Verses: „…Ja! Gewiss (inna), Allah Sieg ist nahe!“ (2:214)

Das Wort „inna“ deutet darauf hin, dass es sich bestätigen wird.

Er – nicht du und ich – sagte:

„…Wer ist wahrhaftiger als Allah in Seinen Worten?“ (4:122)

„…Wer ist wahrhaftiger als Allah in der Botschaft?“ (4:87)

Das zerrüttet mich nicht! Jetzt ist es jedoch an der Zeit, zu Allah zurückzukehren, mein Bruder Mujāhid. Wir alle sollten zu Allah zurückkehren. O Allah, Du bist der Allweise, und Du bist der Allwissende, der Allerbarmer im Dies- und Jenseits. Erbarme dich unser durch Deine Barmherzigkeit.

„Und wenn dich Meine Diener nach Mir fragen, so bin Ich nahe; Ich erhöre den Ruf des Bittenden, wenn er Mich anruft…“ (2:186)

Was nun von uns allen Muslimen, die überall auf der Welt sind, als Erstes erforderlich ist, ist unsere Beziehung zu Allah zu ändern. Wir müssen zu Allah zurückkehren. Und lasst uns nicht dieses und jenes beschuldigen.

„Und sie alle werden zu Ihm am Tag der Auferstehung einzeln kommen.“ (19:95)

Jeder Mensch wird gefragt werden, was er getan hat, als er diese Tragödie sah.

Moderator: In Ordnung, Dr. Haifaa, die Idee der Rückkehr zu Allah haben Sie mehr als einmal wiederholt. Welche Beziehung besteht also zwischen der Rückkehr des Einzelnen zu Allah oder seiner Reue, oder seiner Aufrichtigkeit gegenüber Allah und seinem Sieg über die Menschen in Gaza? Was ist die Beziehung?

Younis: Weil (Allah sagte): „…Und wenn dich Meine Diener nach Mir fragen, so bin Ich nahe…“ (2:186)

Meine Bittgebete – eine der Bedingungen für die Annahme meines Gebets ist, dass ich Allah nahe bin. Mein Gebet, eine der Bedingungen für die Annahme meines Gebets ist also, dass ich Allah nahe bin.

رُبَّ أَشْعَثَ مَدْفُوعٍ بِالأَبْوَابِ لَوْ أَقْسَمَ عَلَى اللَّهِ لأَبَرَّهُ

„Manche Diener Allahs, mit wirrem Haar, staubig (von der Reise) und (an der Türe) nicht willkommen, werden von Ihm erhört und ihre Bitten mit Gewissheit erfüllt.“[3]

Was soll das bedeuten? Es bedeutet, dass dieser Mann zu Allah betet: „O Allah, beende den Krieg in Gaza jetzt, jetzt.“ Und Allah hat das Bittgebet erhört.

Mein Bittgebet wird also angenommen, aber ich muss die erste Bedingung erfüllen, nämlich Allah nahe zu sein. Der zweite Hadith lautet:

„…Sein Essen ist ḥarām, sein Trinken ist ḥarām, sein Lebensunterhalt ist ḥarām und er ist im Ḥarām aufgewachsen, wie soll dann sein Bittgebet erhört werden?“[4]

Deshalb ist das Bittgebet so wichtig. Für die meisten Menschen gibt es kein anderes Mittel als das Bittgebet. Ich muss also die Ursachen für die Annahme des Bittgebets des Gebets herbeiführen. Ich habe die Macht, mit einem einzigen Gebet etwas zu bewirken. Das ist meine Überzeugung (da Allah sagte):

„Und wenn dich Meine Diener nach Mir fragen“ – Er hört mein Bittgebet.

Meine Frage ist: Habe ich die Bedingungen für die Annahme des Gebets erfüllt? Bin ich zu Allah zurückgekehrt? In diesen drei Wochen lebe ich mit dem folgenden Koranvers:

„Ist es denn nicht Zeit für diejenigen, die glauben, dass ihre Herzen demütig werden vor Allahs Ermahnung und vor dem, was von der Wahrheit herabgekommen ist…“ (57:16)

Etwas anderes ist, dass es jetzt an der Zeit ist, sich auf das Jenseits zu konzentrieren. Was glauben Sie, woher die Stärke der Menschen in Gaza kommt? Sie sind auf das Jenseits fokussiert. Sie sind Märtyrer, und sie haben Gewissheit in dieses Wort, als ob sie es sehen würden. Das ist es, was wir brauchen. Die Umma wird sich durch die Rückkehr zu Allah, durch den Gehorsam gegenüber Allah und durch die Vermeidung von Sünden verändern! Wir sollten es jedoch immer wieder sagen: Der Sieg Allahs ist nahe, aber Allah ist derjenige, der sagt, wann dieser sein wird. Allah sagte:

„…Wahrlich, ein Tag bei deinem Herrn ist gleich 1.000 Jahre nach eurer Zeitrechnung.“ (22:47)

Moderator: Frau Dr. Haifaa, manche Menschen mögen sich hinsichtlich des Bittgebets einseitig darauf verlassen. Oder manche Menschen stürzen sich auf das Bittgebet, um ihre Schuldgefühle zu lindern, d.h. sie heben ihre Hände zum Himmel und bitten Allah unseren Geschwistern in Gaza zu helfen, und sie sind der Meinung, dass sie ihren Teil getan haben. Wo also ist die Stellung des Bittgebets in diesem Kampf oder in dem, was mit unseren Brüdern in Gaza geschieht?

Younis: Wir kehren zur Biografie (des Propheten ﷺ) zurück. Was hat der Gesandte ﷺ in der Nacht von Badr getan? Was hat er getan, während die Feinde alles vorbereitet haben? Er hob die Hand zum Bittgebet und sagte:

„O Allah, wenn du dieser Gruppe nicht hilfst, wer wird dich auf Erden anbeten?“

Das Bittgebet ist einer der Mittel. Bittgebete und Schicksal (qaḍāʾ) sind im Kampf. Was mich als Individuum betrifft, so bleibt mir nichts anderes übrig, als meine Beziehung zu Allah zu verbessern und zu Allah zurückzukehren. Möge Allah, der Allmächtige, großzügig mit mir sein und mich zu einem derjenigen machen, die Allah einen Eid schwören, damit Allah ihn erfüllt. Ich habe nichts anderes. Jeder Mensch nach dem, was Allah ihm gegeben hat und nach seinen Fähigkeiten. Beispielsweise die Menschen über das Thema zu informieren, das Thema an kleine Kinder heranzuführen. Dieser Konflikt ist nicht seit heute. Dies ist das Ergebnis von 75 Jahren. Dieses Thema ist ein Thema der Ungerechtigkeit. Wir als Muslime glauben an folgende Aussage Allahs:

يَا عِبَادِي إِنِّي حَرَّمْتُ الظُّلْمَ عَلَى نَفْسِي وَجَعَلْتُهُ بَيْنَكُمْ مُحَرَّمًا…

„O meine Diener, ich habe mir und euch die Ungerechtigkeit verboten, also unterdrückt euch nicht gegenseitig…“[5]

Daher ist es jetzt an uns als Muslime, drei Dinge zu tun.

1. Unsere Beziehung zu Allah zu verbessern, Zuflucht bei Allah zu suchen und das zu unterlassen, was Allah missfällt

2. Uns mit aufrichtigem Flehen an Allah zu wenden: „O Allah, du siehst meinen Ort, hörst meine Worte und kennst meine Geheimnisse und meine Offenheit.“

Ich bete für sie, als ob es mein Sohn wäre, der krank ist, oder als ob er in Not wäre. Meine Gewissheit wird nicht erschüttert, was auch immer geschieht, sie wird nicht erschüttert, auch wenn ich Allahs Weisheit darin nicht kenne, aber ich habe keinen Zweifel, dass es Allahs Herrschaft ist.

3. Ich konzentriere mich auf das Paradies, mein Fokus liegt auf dem Leben nach dem Tod. Allah sagte: „Oder meint ihr etwa, dass ihr das Paradies betreten werdet…“ (2:214)

„Und wenn ihr seht, was geschieht, denkt daran: „Und meine ja nicht, diejenigen, die auf Allahs Weg getötet worden sind, seien (wirklich) tot…“ (3:169)

„Und sagt nicht von denen, die auf Allahs Weg getötet werden, sie seien tot!…“ (2:154)

Es wurde zweimal im Buche Allahs erwähnt! Deshalb ist die Rückkehr jetzt sehr wichtig, denn das ist der Beweis für uns.

Moderator: Frau Dr. Haifaa, Sie haben darüber gesprochen, was geschieht. Ich meine, wir haben von den Menschen in Gaza gelernt. Wenn wir uns ansehen, was wir von den Menschen in Gaza sehen, und verstehen, warum sie dieses Level erreicht haben. Sie sagten bereits, dass wir von ihnen sehen sollten, dass sie über Märtyrertum sprechen und dass sie Märtyrer und standhaft sind. Woher haben sie all diese Kraft, die Kraft der Standhaftigkeit und die Kraft der Konfrontation?

Younis: Die Antwort ist ihre Verbundenheit mit Allah und das Auswendiglernen des Buches Allahs. Außerdem unterscheiden sie sich in einem wichtigen Punkt von uns: Sie haben schon seit Jahren keinen Luxus mehr in ihrem Land. Ich meine, wie du weißt Bruder Mujāhid, werden sie seit Jahren belagert. Ich meine, nach dem Eingeständnis des Westens ist der Gazastreifen seit Jahren ein offenes Gefängnis. Und doch haben sie sich auf eine Sache konzentriert, diese Welt ist nicht ihre Sorge, und das ist die Bitte des Propheten ﷺ:

…لا تَجْعلِ الدُّنْيَا أكبَرَ همِّنا ولا مبلغ عِلْمٍنَا…

„…O Allah, lass weder weltliche Angelegenheiten unsere größte Sorge sein noch zum Ziel unseres Wissens werden…“[6]

Das ist der gravierende Unterschied zwischen ihnen und uns. Der Gesandte ﷺ lehrte uns:

„Das, was ich am meisten für euch fürchte, das Vergnügen dieses weltlichen Lebens“,[7] denn wenn es uns allen passiert, wird es uns davon abhalten, uns auf das Jenseits zu konzentrieren.

Mein Herr sagte: „Wer die Saaternte des Jenseits haben will, dem mehren Wir noch seine Saaternte. Und wer die Saaternte des Diesseits haben will, dem lassen Wir etwas davon zukommen, er erhält aber im Jenseits keinen Anteil.“ (42:20)

Die Menschen in Gaza waren also nie im Luxus. Sie kannten die Bedeutung von Luxus nicht. Sie waren an Allah gebunden, und was geschieht, ist natürlich Teil ihrer Prüfung – wir werden alle geprüft! Wir werden mit Luxus geprüft, und sie werden mit Härte geprüft. Wie Sie sehen können, haben sie es natürlich geschafft, subḥanallāh!

Moderator: Meine letzte Frage an Sie, Dr. Haifaa, lautet: Was empfehlen Sie uns in diesen schwierigen Zeiten, die die Umma durchmacht, besonders unseren Leuten in Gaza?

Younis: Was unser Prophet Yaʿqūb im Koran zu seinen Kindern sagte:

„O meine Kinder, geht und erkundigt euch über Yūsuf und seinen Bruder. Und gebt nicht die Hoffnung auf das Erbarmen Allahs auf. Es gibt die Hoffnung auf das Erbarmen Allahs nur das ungläubige Volk auf.“ (12:87)

Wir geben niemals die Hoffnung auf, ganz gleich, was geschieht, wir kennen das Verborgene nicht. Allah ist der Kenner des Verborgenen und des Offenbaren. Wir werden niemals an Allahs Barmherzigkeit und Sieg verzweifeln. Und ich werde es sagen und wiederholen: Es ist an der Zeit, dass die gesamte Umma, jeder Einzelne, sich an Allah klammert, sich auf das Jenseits konzentriert und niemals aufhört zu beten. Allah wird uns nicht allein lassen. An die Menschen in Gaza: Möge Allah euch segnen. Möge Allah euch helfen, möge Allah euch stärken, möge Allah euch den Sieg schenken. Unsere Herzen sind bei euch und wir beten, dass Allah unsere Gebete erhört.

Moderator: Āmīn. Vielen Dank, Dr. Haifaa Younis, islamische Predigerin und Gründerin des Jannah Instituts in den Vereinigten Staaten, dass Sie bei uns waren. Vielen Dank, Dr. Haifaa.

[1] Sahih Muslim, Kapitel 6, Hadithnr. 771; Sunan Abī Dāwūd, Kapitel 2 Hadithnr. 760 f.; Jāmiʿ al-Tirmiḏī, Kapitel 48, Hadithnr. 3422; Sunan al-Nasāʾī, Kapitel 11, Hadithnr. 897.

[2]  Dieser Fachbegriff wird oft mit „Glaube“ übersetzt. Das ist nur insofern richtig, wenn die Verbform gemeint ist. Das Nomen „Glaube“ meint hingegen per Definition eine „gefühlsmäßige, nicht von Beweisen oder Fakten bestimmte unbedingte Gewissheit oder Überzeugung.“ Dies wird dem Begriff des īmān nicht gerecht

[3] Sahih Muslim, Kapitel 45, Hadithnr. 2622, Kapitel 53, Hadithnr. 2854; Jāmiʿ al-Tirmiḏī, Kapitel 49, Hadithnr. 3854.

[4] Sahih Muslim, Kapitel 12, Hadithnr. 1015; 10. Nawawī-Hadith.

[5] Sahih Muslim, Kapitel 45, Hadithnr. 2577; 24. Nawawī-Hadith.

[6] Jāmiʿ al-Tirmiḏī, Kapitel 48, Hadithnr. 3502

[7] Sahih al-Buchārī Kapitel 56, Hadithnr. 2842.

Ähnliche Beiträge

Neue Beiträge