Die Begegnung mit Sh. Ibn Baz | Sh. Muhammad ad-Dadaw

Moderator: Sh. Muḥammad, wir erfuhren von Worten des Sh. Ibn Bāz über euch, so wollten wir nun die wahre Geschichte erfahren.

Scheich Muhammad al-Hassan al-Dadaw: Der geehrte Sh. ʿAbdil-ʿAzīz (Ibn Bāz) gehört zu denjenigen, die die Muslime gut beratschlagt haben, sich um ihre Angelegenheiten sorgfältig gekümmert und die Religion bewahrt haben. Er hat dahingehend sehr viel geopfert. Ich war zu dem Zeitpunkt eingeschriebener Student an der Imam (Muhammad b. Saud)-Universität (in Riad) und wurde gebeten, im Wohnheim der Moschee (der Universität) zu unterrichten. Ich würde das Werk „Sahih al-Buchārī“ erklären. Zudem würde ich den Studierenden und externen Leuten zwei Abende in der Woche zur Verfügung stellen, in denen ich ihnen andere Bücher unterrichtete, die ich beherrsche. Den Unterricht, in dem ich „Sahih al-Buchārī“ erklärte, würden viele Leute besuchen, darunter auch einige junge Leute, die ein bestimmtes Gedankengut tragen.[1] Ungefähr acht von ihnen verfassten ein Schreiben an Sh. Ibn Bāz, dass die Person (Sh. al-Dadaw) nicht denjenigen zum Nicht-Muslim (kāfir) erklärt, der behauptet, dass der Koran erschaffen sei. Denn sie fragten mich, ob ich Sayyid Qutb zum Nicht-Muslim (kāfir) erkläre oder nicht. So sagte ich: „Allah bewahre! Wie könnt ihr die Gelehrten und Aufrufer des Islams zu Nicht-Muslimen erklären?“ Sie behaupteten: „Er (Sayyid Qutb) sagt, dass der Koran erschaffen sei.“ Und darauf aufbauend haben sie (fehlerhaft) abgeleitet, dass ich denjenigen, der sagt, der Koran sei erschaffen, nicht zum Nicht-Muslim (kāfir) erkläre. So berichteten sie dem Scheich davon. Der Scheich (Ibn Bāz) weiß, dass ich an der Universität lehre, jedoch dachte er, dass ich dort auch der zuständige Imam bin. So schrieb er einen Brief an den Präsidenten der Universität, in dem er befahl, die Person (Sh. al-Dadaw) einzubestellen, die Angelegenheit zu überprüfen, ihn des Landes zu verweisen und ein Imam- und Lehrverbot an der Universität zu verhängen. Der Universitätspräsident schrieb mir, zu ihm zu kommen. So tat ich dies. Er fragte: „Was ist vorgefallen?“ Ich erwähnte den Vorfall. Er sagte: „Am besten gehst du zum Scheich selbst.“ Danach wurde ein Treffen organisiert und so ging ich das erste Mal zum Dār al-Iftāʾ (Fatwa-Amt).

Es war vormittags, ungefähr elf Uhr. Der Scheich (Ibn Bāz) würde viele Gäste empfangen und in seiner Begleitung waren seine Schreiber Sh. Ṣāliḥ al-Ḥakamī, Sh. (Muḥammad) al-Mūsā und Sh. (Muḥammad) asch-Schuwaiʿir. So empfingen sie mich und stellten mich dem Scheich (Ibn Bāz) vor. Da sagte er: „Es hat uns sehr bekümmert, was wir über dich erfuhren.“ Zu dem Zeitpunkt forschte ich nach der Fragestellung „Das Urteilen über eine abwesende Person“. Da sagte ich: „Geehrter Scheich, ich verstehe eure Worte so, dass ihr diese Vorgehensweise als richtig sieht (über jemanden zu urteilen ohne Anhörung).“ Er antwortete: „Nein, vielmehr gehen wir der Sache nach.“ Ich sagte: „So habt ihr doch in meiner Abwesenheit ein Urteil über mich gefallen, ohne mich vorher angehört zu haben.“ So fragte der Scheich mich nach der Angelegenheit und ich erklärte ihm meinen Standpunkt und was darüber gesagt wurde. Der Scheich kennt auch die Aussagen der Gelehrten in der Angelegenheit, jedoch haben diese Leute ihn in einer weiteren Sache (manipulativ) getäuscht. Denn als ich ihnen eine Aussage von Imam al-Ḏahabī erwähnte, behaupteten sie: „Der Scheich (Ibn Bāz) sagte, dass al-Ḏahabī kein Gelehrter sei.“ Da entgegnete ich: „Er (al-Ḏahabī) ist ein größerer Imam und Gelehrter als Ibn Bāz.“ Möge Allah ihnen beiden barmherzig sein. Schließlich hat Imam al-Ḏahabī viel mehr Werke verfasst als Sh. Ibn Bāz. Jedenfalls bildete der Scheich (Ibn Bāz) ein Gremium bestehend aus Muftis und großen Gelehrten.

Moderator: Wer?

Dadaw: Sh. Bakr Abū Zaid , Sh. Ṣāliḥ al-Fawzān und ein dritter Scheich, dessen Name mir jetzt nicht einfällt. Wir saßen im Büro von Sh. Ṣāliḥ al-Fawzān. Sh. Bakr Abū Zaid kannte mich sehr gut. Ich würde ihn oft besuchen. Er war ein Freund meines Onkels mütterlicherseits und wie ein Vater für mich. Ich würde ihn jederzeit besuchen und er würde mich oft anrufen. Er würde mir sogar seine Schriften zur Korrektur geben, bevor sie in den Druck gehen.

Moderator: Sh. Bakr (Abū Zaid) oder Ihr Onkel?

Dadaw: Nein, Sh. Bakr. Er war der Präsident der Internationalen Islamischen Fiqh-Akademie, eine Institution der Organisation der Islamischen Konferenz, die nun Organisation für Islamische Zusammenarbeit heißt. Sh. Bakr war ebenfalls ein Schüler von Sh. Muḥammad al-Amīn asch-Schinqīṭī. Sh. Muḥammad al-Amīn war, wie du weißt, mein Cousin väterlicherseits. Sh. Bakr mochte mich sehr.

Moderator: Er kannte Sie?

Dadaw: Ja. Jedenfalls fragten sie mich über die Angelegenheit und ich antwortete. Sodann fragten sie mich über weitere Angelegenheiten. Ich antwortete zitierend aus einigen Büchern. Was z.B. Ibn Taimīya sagte oder was von al-Muwaffaq Ibn Qudāma in „Kaššāf al-Qināʿ“ überliefert wird und einigen anderen Aussagen der Gelehrten in dieser Sache. So baten sie mich, dies niederzuschreiben. Ich kam der Bitte nach und gab die Verschriftlichung Sh. Bakr Abū Zaid und er gab sie ihm (Sh. Ibn Bāz) weiter. Damit war die Sache beendet.

Seitdem waren das Treffen und Kennenlernen des Scheichs unmittelbar. Ich hielt eine Unterrichtssitzung an der Universität ab und einmal kam der Verantwortliche des Wohnheims Sh. Muḥammad b. ʿAbdir-Razzāq al-Duwaisch zu mir und sagte: „Zieh den Unterricht heute bitte in die Länge. Wir werden heute das ʿIschāʾ-Gebet spät verrichten, damit Sh. Ibn Bāz ebenfalls am Unterricht teilnehmen kann.“ So zog ich den Unterricht in die Länge. Gewöhnlich gibt es nach dem Unterricht eine Fragerunde und ich würde die Fragen der Teilnehmer beantworten. An dem Tag jedoch hatte der Scheich die Fragen nach dem ʿIschāʾ-Gebet an meiner Stelle beantwortet.  Seitdem hat mich der Scheich mehrfach zu sich eingeladen und die Beziehung zu ihm und einige seiner Schüler war warmherzig. Sh. ʿAbdir-Raḥmān al-Jallāl z.B. war eine nahestehende Person (und Schüler) des Scheichs, die der Scheich zu 100 % vertraute. Er (Sh. al-Jallāl) gehörte zu den Personen, denen ich sehr zugeneigt war und geliebt habe. Ich war wie ein Sohn für ihn .

[1] Der Scheich meint hier eine Sekte, die jeden vergeblich zu widerlegen versucht, der nicht ihren eigenen „Gelehrten“ folgt.

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